EEE Beilage zu NM 185. der Lüdeckifchen Anzeigen. Den 10. Auguft 1870. — Neuefte Nadrichten. Berlin, 9. AMuguft. Parifer Nachrichten, welche an die Regierung und an große Banks äufer in London jhon vor unferem Siege bei örth abgegangen waren, lauten fehr alarmirt und befürchten eine Revolution. Münden, 8. Auguft, Rahm. (W.T.B.) Der König hat an den commandirenden General des 2. bayerischen Armeecorps, General v, Hart: mann, nachitehendes Telegramm gerichtet: „Mit freudigktem Stolze erfüllen mich die glänzenden Waffenthaten, an denen au) mein wadere8 zweites Armeecorps fo ruhmreichen Mntheil hat. Sagen Sie all’ den Tapferen meinen Königliden Gruß und herzliden Dank, Stündlih bin id im Geifte bei meinen braven Truppen. Ludwig.“ Münden, 8. Muguft, Nachm. Meber die Schlacht bei Wörth am 6. Seitens des erften bayerifchen Armeecorps find folgende Mittheiz Jungen eingegangen: „Morgens um 6 Uhr mar- fehirten die Truppen aus ihrem Bivouac bei Ingolsheim durch grundlofe Seitenwege nach Lobfann und Lambertsloh. Während des Marfches vernahmen fie bereits Kanonendonner. Die erfte Divifion (Stefan) ging gegen den feindlichen linfen Flügel vor. Die Spibe traf um 1 Uhr ein, um 3 Uhr erfolgte ein concen: trifher Angriff gegen die Pofition des Feindes, um 4} Uhr wurden die Höhen nad) erbittertem Kampfe genommen und der Feind in Unorde nung zurüdgeworfen. Unfere Cavallerie nahm fofort die Verfolgung auf. — Bedeutende Ber- Jüfte. — Die zweite Divifion war alg Referve aufgeftellt, jedoch an der Schlacht nicht unmit: telbar betheiligt. — Die näheren Details find noch nicht feftgeftellt“. Soulz, 9. Mug. Der franzöfifge Verluft bei Wörth it wenigftens 5000 Todte und Ver: mwundete, darunter viele Dfficiere, und 6000 Gefangene. Die Armee Mac Mahons floh, zurüclaffend die ganze Bagage, viele Gefchüße und- zwei Eifenbahnzüge mit Proviant. Die verfolgende Cavallerie traf viele Taufende Vers mwundete, welche die Waffen fortgeworfen hatten, Der deutfhde Verluft beträgt zwifhen 3000 und 4000 Todte und Verwundete. Paris, 9. Auguft, Morgens. Das „Jour- nal officiel“ veröffentlicht ein Decret, durch welches die 1., 3., 4. und 7. Militair-Divifion, ferner die Departements Cote d’DOr, Saöne, Loire, Aisne und Rdhone, gehörend zur 8, Mili- tair- Divifion, in Belagerungszuftand verfebt werden. — Den neueften officiellen Nachrichten zufolge habe fi das Corps de Failly’s mit dem Hauptheere vereinigt. Mac Mahon volle zieht die ihm vorgefchriebene Bewegung, Geitern hat Fein Zufammenftoß ftattgefunden, Paris, 8. Muguft. Eine neue Minifter- proclamation an den Straßenefen angefehlagen, lautet: SFebt, Franzofen, haben wir Euch die volle Wahrheit gefagt; jebt ik e& an Euch, Eure Pflicht zu thun. Derfelbe Ruf möge von allen Franzofen, von einem Ende Frankreichs big zum andern, ertönen. Möge das Volk fih erheben in Hingebung an dem großen Kampfe und Stand halten. Einige unferer Regimenter find unterlegen, unfere ganze Armee ift noch nicht befiegt; derfelbe Hauch der Unerfehrofen- heit befeelt fie no immer. Seben wir von jest an der von Glücs- Erfolgen begleiteten Kühnheit des Gegners die Zähigkeit entgegen, welde unfere Gefchife beherrfcht; ziehen wir ung auf ung felbft zurüg! Mögen die Eroberer auf dem Wall menfehliher Leiber anfürmen. Wie e8 1792 und wie e8 bei Sebaftopol ger wefen, fo mögen auch jeßt unfere Niederlageı nur eine Siegfhule fein. E$ wäre ein Ver- brechen, auch nur einen Mugenbligt an der Wohlfahrt des BVaterlandes zu verzweifeln und nod) mehr, nicht zu derfelben beizutragen. Bleibt aufrecht alfo! Aufrecht, ihr Einwohner des Centrums, des Nordens und Südens, auf denen nicht die Kriegsbürde laftet, eilet mit einmüthigem Glan den Brüdern im Often zu Hülfe! Möge Frankreich, das in Erfolgen einig gewefen, noch einiger fein in der Prüfungszeit. Gott fegne unfere Waffen. Kaiferslautern, 8, Auguft, Vormittags. In Meuftadt an der Hardi fand bei der Durefahrt Sr. Maj. des Königs eine erhebende Demonfjtration ftatt. Der Bahnhof und die malerijhen umliegen- den Höhen waren mit bayerifden und preufijhen Truppen und fajt der gefammten Einwohnerfhaft der umliegenden Orte dicht befegt. Es traten ver- jdiedene Medner zur Begrüßung Sr, Maj. auf und die Zubelrufe für den Hl Tür den Grafen Bis- mard, für die Generale Mollte und Roon ver» einigten fig zulegt zu einem allgemeinen Hodj auf Deutjhlands Einheit und Deutjdhlands Freiheit, weldjes bei der Abfahrt des königliden Cytrazuges donnernd dur die Berge Halte. — Weißenburg, der Preis des erften deutjhen Sieges im gegenwärtigen Kriege, und bis zum 4. Aug. 1870 eine franz. Fejtung dritten Ranges, ift eine jehr alte deutjde Stadt, die im Jahre 1247 zu einer der 10 freien Reichsjtädte des Eljaffes erhoben, aber von Ludwig XIV. im Jahre 1673 erobert und im Rysvyker Frieden Frankreid zuerkannt wurde. 1744 und 1793 wurde fic von den Deutjhen zu: rüderobert, beide Male aber jpäter uns von Frank rei wieder geraubt. Frankreich, fagt AU, Peterman in einer Darlegung, welde die N, A, Z. veröffent- licht, legte ftet& den größten Werth auf den Befit MWeißenburgsS und der berühmten Weifenburger Be feitigungs=Yinien, Verfjdhanzungen, die dazu beftimmt find, das Eljaß gegen einen Angriff von Norden her zu deden. Frankreid legte ® großen Werth auf den Befig Weißenburgs, daß al8 es am 13, Dcto- ber 1793 die franzöfijdge Armee unter Beauharnais gegen die deutjde Urmee unter General Wurmfer und dem Prinzen von Walded verlor, und wegen anderer Niederlagen Beauharnais auf Befehl des franzöfijgen Convents aufs Schaffot geführt und guillotinirt wurde. Der General Yeauharnais wor der Groß ütterlicherfeit& von Louis Nay Was werden die Franzojen jebt fagen, wenn fie Hören, daß fie anftatt der angekündigten „Prome- nade & Berlin“ der Enkel) jenes B i$ die jo Boch gehaltene Bofition fofort verloren hat, trog aller Chajiepot8, Turcos und Mitrailleujen. Auch damals am 20. April 1792 Hatten die Franzojen aus nidtigen Gründen den Deutjdhen den Krieg ev« Härt, um die belgijghen Provinzen DOefterreid) zu rauben, aber mit Yefterreih verbündete {id damals Preußen, weldem Bündnif aud England beitrat, ja fi& an der Spige der europäijden Mächte gegen Frankreid) ftellte, nadjdem Frankreid am 1. Febr, 1793 aud) Holland und England den Krieg erklärt Hatte. Die franzöfijge Armee unter dem SGroß- vater des jegigen Oberbefehlshabers unferer raube füchtigen Erbfeinde entfam am 13, October 1793 bei Weißenburg nur in Folge der Uneinigkeit der deutjhen Alirten, dod wurden die Linien fjammt Lager, FeldgerärhH und Artillerie der franzöfijhen Armee genommen. Gottlob, daß jegt wir Deutjhe einig und unter Einem Befehlshaber Kämpfen. Weißen- burg liegt an dem Grenzfluß zwijgen Deutfjdland und Frankreid, der Lauter, welde in der bayerijhen Pfalz entfpringt und bei Lauterburg in den Rhein fließt. In einem fdönen fruchtbaren Thale der Vogefen » Ausläufer gelegen, 500 Fuß über dem Meere, ift die Stadt nur 3} deutjde Meilen von der franzöfijgen Feftung Hagenau und 7 Meilen von Straßburg entfernt, Die Umgegend ift reich an Weinbergen. Die Fefjtungswerke rühren aus dem 18, Jahrhundert her, und vor den Stadtthoren beginnen am Scherrhohl die 1705 auf die Anord- nung des Marjhalls Vilars an der ganzen Lauter entlang bis nad) Lauterburg erridteten Redouten der berühmten Weifenburger oder Lauterburger Linien, eine 24 Meiken lange zufammenhängende Neihe von ®räben, Wällen und Schanzen, welde im fran- zöfijden Nevoltionskriege wiederholt Schauplag blue tiger Gefechte waren, Die Weifenburger Linien Kaufen zidzackförmig, werden von Strede zu Strede durch Redouten flankirt, beftehen aus Bruftwehr und Gräben und galten vor der Erftürmung dur die Deutjhen im Jahre 1793 für fehr feft. Der von dem Kronprinzen und feiner braven Armee ebenfalls genommene Saisberg liegt 1/, Deutfhe Meile im Süden von Weißenburg in der Ridtung auf Straßburg und ift 757 P. Fuß über dem Meeresfpiegel. — Die Königin Hat an den General-Oouver- neur Herwarth v. Bittenfeld folgendes Telegramm gerichtet; „In freudigfter, dankbarer Bewegung über die Siege unferer Armee überfende id Ihnen Heute 2 goldene Medaillen für den Didgter und den Com- poniften des Liedes: „Die Wat am Rhein“, in welden die begeifterte Baterlandsliebe bei Bür- gern und Soldaten in diefer Zeit den jhönften Aus- drud gefunden Hat und weldes zu einem wahren deutfhen Nationalliede geworden ift.“ Auf der BVorderfeite der Medaille befindet id das Bruftbild des Königs und auf der Nücfeite umgiebt ein Lorbeerfranz die Jahreszahl 1870. — Einer der fliegenden Buchhändler beantwortete Türzlid) die Frage, wie fein Gejhäft gehe, mit den Worten: „Ad, mit de Extrablätter i& et jebt vod) faul! Wenn man det Publicum jett nid in jedes einzelne Blatt einen dodten Franzojen einjer widelt bringt, denn koofen je’8 nicht!“ Neberfidht der Ehrenpreife, (Schluß.) IV. Für die Eroberung einer Mitrailleufe A 1000 af aan im Unions« (Sport) Club von Berlin (Unter den Linden 17), für den deut- ichen Krieger, welcher die erfie Mitraillenie erobert. — S0 Pfund Sterl, dem Truppentheil, welcher die erfie Mi- trailleuje wegnirmt. (Köln. Zeitung.) — 300fl. einen Soldaten der bayerijhen Armee, der die erfie Kugeliprige erobert. (Nürnderg, Redaction des Corr. v. u. f. D.) V. Für die Erbentung dee erfien Chaffepot- gewehrs haben die Bewohner der Friedrichaftadt zu Berlin 675 „P 124 Sgr. deftimmt. (Volfs-3tg.) r hervorragende Thaten zur See find 56,000 af für die Zerftörung einer Panzer- — 30,000 „$ für die Zerfrörung einer Panzer- oder eines Widderichifis. — 20,000 af für die einer Panzer-B Ce. — 15,000 «f für die eines Schraubeni 10,000 „® für die eines Schrauben (Diele BPreife von der Megierung au: Schifiseignern auf it, denen anheimgeftellt bei der Anwerbung der Bemannung mit diejer über die derjelben etwa zu gewährenden Antheile an der Prämie zu einigen.) — 200 af von dem Bevollmächtigten der Kruppiden Snßftahlfabrı! in Ejjen, Herrn Meyer, dem M zur Verfügung geftellt für den enigen Matrojen oder Seeioldaten, weldher fh dem Heinde gegenüber durch die erfte hervorragende That aus- jeihnen wird. — 1000 af bewilligt ein Bewohner Kiels jeni: der Kieler Befeftig die ein franzöfildes Banzerjhiff nehmen oder zum Sinfen brin« em, widrigenfalls das Geld zur Unterftügung dortiger Fan oder nachbleibender Familien verwandt, wird. . Für fonftige tapfere Zharen find aus. gefegt: 100.$ (und mehr) demzenigen Militair, welcher im Sreije Röffel (Preußen) geboren und ausgehoben if und als der Erfte das Giferne Kreuz im bevorfiehenden Kampfe erwerben wird. — 100 af vom Landrath v. Heyden Cadow des Demminer Kreijes, dem 2. Pommerijchen Uanen-KRegiment Mr. 9 überfandt zur Vertheilung an dies jenigen Mannjchaften, welche ich im erfien Gefecht aus zeichnen werden. — 1000 af vom Rittergutebefiger Baron b. Nhöden in Viegow, an Unteroffciere und Manufhaften des Bommerfchen A am Nr. 11, zu ver« theilen für anßerordentliche Tapferkeit im Sevorfiehenden Fedzuge. — Ein Sparfafienbuch über 100 af nebjt den faligen Zinfen eines ZJayıce, jowie eine filberne Chren- Zabadspfeife, weiche zur Zeit des Wiener Congrefies dem Fürften Blücher verehrt worden war und mit drei gol- denen Medaillen mit den Bildnijjen Friedrich Wilhelm ILL, Franz I. und Alerander I. geziert ift, hat ein Breslauer NEUE dem Vorftand des rauenvereins zugewandt. An die legtere Gabe hat er die Beftimmung gelnüpft, daß fie einem tapferen Breslauer Krieger als Chrenaabe über reicht werden fol, — HH der dentiden Cavallerie« Abtheilung, welde das erfte franzöfiihe Tarree vernichtet. (Köln. Zeitung.) — 300 aß von einem Coblenzer Pas trioten, dem General Herwarth v. Bittenfeld) zur Vers fügung gefiellt für den Soldaten cines Rheinijhen Regi- ment8, welcher fi vor dem Feinde auszeichn 1000 dem Emmericher Krieger, der zuerft in Paris einrüdt. — 120 „$ von Bürgern aus Malmcdy, unmittelbar an der belgilden Grenze (2 Stunden von Spaa) gelegen, dem Kriegsminifter zugegangen für einen Soldaten des VIIL. Armee Corps, welcher in durch Tapferkeit aus- zeichnet. — 25 af verfpridht der Fabrifant Brauer in Lüncburg einem Unterofficier oder Hüjelier des dortigen Infanterie » Bataillons für bejondere Auszeidhnung. — 000 4% hat ein Frankfurter Bürger dem Könige von Preußen zur Serfügung geftelt, um damit Unterofficiere und Gemeine, welche fi im Kelde vor dem Feinde bes fonders ‚ 3u belohnen, — Zur Belohnung hervorragender Waffenthaten der Unterofficiere und Sole daten des XII. Armee-Corps bringt das „Dresdener SZournal“ vom 30. Zuli einen Aufruf. Auch follen die ker Familien derer bedacht werden, die bei jolden Thaten ihr Leben dem Vaterlande opferten. — Ein Madrider 100 Fr.-Loos (Nr. 422,791) mit Coupons und Ueberweifung des Lotteriegewinns hat Herr Martin jerel8, Herausgeber der „Deutidhen SHhaubühne“ zu eipzig, für einen befonders tapferen und hedenmüthigen Soldaten der deutfden Armee, jüdijhen Olaubens, be. ftimmt. — 175 fl. bat Banquier Fr. Fouftal zu Bayreuth dem Krie U in einer Obligation des 4pcos centigen Bayerijden Prämien -Anlehens übergeben für den bayerifden Soldaten, welcher die erfie goldene Tapferfeits-Medaille erwerben wird. — 1000 gute Tigar- ren von Herrn Binzinger, Procurift bei Schwedlin u. Co. in Stuttgart, dem deutidhen Soldaten zugefihert, weldher den en Zurco gefangen nimmt. — 40fl. in Carls mubhe e — 1 jat der Regierungsrath Pfannebeder zu Worms it Lehen Krieger (deponirt beim Kriegsminifterium). für den vom als den Tapjerften bezeichneten 00 fl. en Soldaten des dort Kegenden Regiments ausgefert.