-Plaß auf 
Brüffel, 29. Octbhr. (Privatdepefehe der 
„Börfen- Halle“.) Ueber die Gapitulation von 
Me find folgende Einzelheiten bekannt 90 
worden: Am 21. Octbr. theilte der Comman- 
dant von Me, Cofünitre, dem Marfchall Baz 
zaine mit, c$ Fönnten der Armee deffelben Feine 
Provifionen mehr von der Feftung obgelaffen 
werden. Hierauf fol Bazaine feinen Soldaten 
zu defertiren erlaubt haben. (2) ls gruößt 
Deferteurfcbaaren von den deutfchen Vorpoft 
zurüdgewiefen wurden, befchloß Bazaine, feine 
Dirmee bei einem Scheinangrif auf Gravelotte, 
der am 24. Hattfinden follte, gefangen nehmen 
zu laffen, damit die Garnifon von Meß den 
inige Wochen haften Fönne. Wegen 
des unvermeidlichen Blutverateens wurde auch 
diefer Plan aufgegeben. Un demfelben Abend 
wurde der erite Parlamentair in das deutfhe 
Hauptouartier abarfandt, welcher volltändige 
Uebergabe anbot. Mın 24, October hatte dann 
General Changarnier mit dem Prinzen Friedrich 
Gar! eine Zufammenfunft, am 25. verbandeite 
Mazaine auf Schloß Frescati mit dem deutichen 
LBevollmächtiaten, ohne daß sine Ginigung er- 
zielt werden Fonntez erft om 26. Fam die Ca 
pitalation zu Stande, — Das zweite deutfche 
Mrmeccopors in bereits jauf dem Marfeh nach 
Paris begriffen. En 
Brüftel, 29. Dctbr. Die jüngjte hier 
eingetroffene Nummer des „S enthält 
einen Brief aus Tours, wonach die ehemalige 
Partei der Linken des gefebgehenden Körpers 
im Verein mit einem Theile des vormali 
Hinfen Centrum? lebhaft für den Abfchluß eines 
Maffenftillitandes und die Berufung einer con- 
ftituirenden Verfanmlung agitiven, Der 
„Siecle“ bekämpft diefe Maitation, . 
Bräüffel, 30. Dctbr. Klub Alhambra ft 
Marfeılle verurtbeilte Gamberta_und Cambriels 
alg Vaterlans &verrätber zum Tode, und bez 
ichloß, Marfeile von Sranfreich zu trenuen und 
als felbiftändige Reyudlıf, „Vallce du rhone“ 
zu conftituiren. — In Tours finden die am 
Sonnabend eingetroffenen Capitulationsnach: 
richten vielfach Feinen rechten Glauben, — Nord: 
veutiches Schirm „ElıTa“, Fürzlich aufgebracht, {fi 
geitern mit franz. Bemannung in Bliffingen 
eingetroffen. 
Hamburg, 
   
  
  
   
    
   
  
  
  
  
  
  
    
    
Dethr. franzöftiche Slotte 
jcheint jih über ihre bisherige Unthätigteit noch 
immer nicht beruhigen zu fönnen und an CNC Dr 
jpätete Wiederaufnahme ihrer Yandungspläne zu 
denken. Ein Reuter iches Telegramm vom heutigen 
Tage meldet ans Yremen: „Der hiefigen Handaıs 
Tammer ijt durch den Zenat Folgende telegraphiich 
aus Belgien eingetroffene Nachricht 3zUgegangen : 
Heute und 3wölf ranzöriiche Ariegsichitie & 00 Mann 
DBemannung aus Tunkirchen nordwärts IN See 
gegangen.“ Dieje MWirtheilung wird auch yier fe 
Ficiell betätigt. 5.) 
  
  
  
  
  
  
  
    
(9. De 
— Nachdem Metz mun gefallen, fommt die Reihe 
an Paris, wo der nächjte und hoffentlich auch der 
fette und enticheidende Schlag geführt werden wird. 
Wir haben bereits mitgetheilt, daß die Vorarbeiten 
zum Bombardement, bez. zUr Förmlichen Belagerung 
der MRieienfeitung in wenigen Tagen beendet fein 
  
werden. Die Wenigiten haben eine Vorftellung 
davon, was zu ciner derartigen Cperation gehört 
umd vermögen die zeitraudbenden Schwierigtetten 
nicht zu ermejjen, welche dabei zu überwinden find. 
Vor Allem, ichreibt die „Kr. 3.“, gehört dazu die 
Heranziehung und Einrichtung des BVelagerungs- 
geichüts-Partes; wird derfeibe auch dadurch erleich« 
tert, daß die vor Straßburg gebrauchten SGejchüte 
disponibel geworden Jnd — CiN Theil davon muß 
für Verdun und die franzöftjchen oberrheir chen 
Feitungen zurückbehakten werden, fo hat man doch 
das vor Paris zur Anwendung !tomunende Bela 
gerungsgeichüts durch Nachjhub aus dem Later 
fande zu vermehren für nothwendig befunden. Ju 
diefer Beziehung it der Bejig von Zoul von {c 
unendlicher Wichtigteitz denn das cimmal auf der 
Bahn verladene Gejhüg kann nunmehr bis Wiecauz, 
4} Meilen von Karis, geichafit werden. Hier 
aber beginnt der ungemein jchwierige Zransport 
des Seichütes zur Achie und daffelbe muß nad) 
jorgfältiger Recognoscirung der zu benußenden 
Straßen und Brücen auf Umwegen, Berg auf, 
Berg ab, in den Belagerungsparf gebracht wer- 
den. Dieer Transport erfordert, da 3. B. für 
einen 24: Pfünder mindejtens 12 jtarte Pferde noth 
wendig find, einen jehr großen Aufwand an Zug 
pferden, an denen c& nicht mangelt, weil man die 
Pferde der verjchiedenen Munitions- Colonnen vor 
Paris dazu verwenden wird; wir glauben nicht fehl 
zu greifen, wenu wir das tägliche Erfordernif au 
Pferden für diefen Zwet auf etwa 2000 angeben, 
  
  
  
  
      
  
  
   
  
   
erwähnen, dar dazu die Transverjal» Wege 
chen den radial nach Paris führenden Haupt» 
aßen zu beuiscn find. Während Leistere yich be 
amtlıch im einen fchr guten Banuzufiande befinden, 
ift derfelbe bet jenen zweifelhaft; c$ Hit Leicht mög 
lich, dar ie in gegenwärtigen Jahreszeit durdı 
greifende Neyaratım- Arbeiten erfordern, um fie Für 
den SGeichüg- Transport einigermaßen in Stand cr 
halten zu Ffönnen. Diefelben Schwierigkeiten ver 
urfacht die Heranzichung des zu ciner Belagerung 
1 Wochvagen, Vorraths 
in Sagen, und vor 
  
     
  
    
    
  
    
  
   
dan bedeute, daß altcin der Veunitionsbedarf wäh 
rend 24 Stunden Lei einer Belagerung, wir wir 
i aben, 3uoeriäffig andert 
halb der länglien Eifenbahnzüge erfordert und welche 
Wagen: Colonne dazu wöthig ft, denfelben umzu 
laden und uad; den Depors zu Hberführen,. 
angefomumen, umß eine depotmäßige Yıurfitapelumg 
der Seichüitz en, YDunition Aacfinden; 0S 
gejicherte Pılvermagazine, Vaboratorien, 
und Werkitellen auer Urt gebaut bez. 
clmäßige Mad 
igen SGegenfzände gerichert Fein, bevor 
aumg der eigentlichen Belagerung 96 
dacht werden Qeährend wir bis jekt von den 
Melagerungsbedürfniten geiprochen haben, weiche 
aus weiter Serne herbeigerchafft werden unüffen, 
wollen wir auch d Harerials gedenten, welches 
jich vielleicht rücdwärts der Cerniruung auftreiben 
Jäkt, angefertigt und in Depor geftellt werden muß; 
dazu gehören große Vorräihe au Baumaterial, Batterie 
ichanztörbe, Bertungsbohlen, VBertungstreuzhölzer 
aid Handwerkszeuge alier Art. Die jebigen hurzen 
Tage, die Unjicherheit der dortigen Gegend und der 
höfe Wille der Einwohner, deren man bei den Re 
quijittonen doch immer bedarf, mögen den Ausfüh, 
rungen nicht günitig 1 — Die Vorbereitungen 
des Ingenicurs beziehen Tich auf das Herbeiichaften 
von Handwerkszeug für die Erdarbeiten, Yolzuorräthe 
für die bombenficheren Eindecungen von Pılverz 
magazincı, Zavpenausführungen und dergleichen. 
Die jehr bedeutenden Erfordernifie an Yandwerts 
zeug und Utenfilien find nach einem beftimmten 
Grat, der, irren wir nicht, erft im Vaufe diefes 
Jahres Feitgefent wurde, berechnet; die Handwerks 
zeugbejtände werzen wahricheinlich aus den die 
ponibel gewordenen Vorräthen vor und in Ztraß 
burg amd durch diejenigen der bei den ZWanzzeug- 
Colomnen vorhandenen jedes Armee »Sorps hat 
inc Toldhe — zunächft Formirt und durch Requi 
Jitienen ergänzt Werden. man, daß die zU 
che Zeit uod) durdy 
anderweite nügliche und für cine Velagerung 10th 
werdige Seichafte, wie Frecielle Recognoscirung des 
LBorterrains, Vervoilnändigung des vorhandenen 
Terrainplanes, Werien der Entfernungen 20. aus 
gefüllt wird, fo wollen wir unfere Ungeduld nad) 
weiteren günftigen Nachrichten um To mehr zügelu, 
als der Vertheidiger in Paris mit jedem Tage auf 
ichmakere Kojt geiekt und die dortigen Vers älımijie 
ihrer BZerietung näher geführt werden, 
  
       
  
  
    
  
        
     
     
  
an eine E 
  
  
  
  
  
   
      
  
     
   
    
     
  
  
  
  
  
  
    
   
  
  
  
  
  
Za$ mu die eigentlichen Angriisoperationen jelbjt 
betrifft, To fönnen wir uns nad) den Cingegangenen 
Nachrichten darüber mur mit der größten Nejerve 
ausipreden. Es ijt möglich, daß man den Point du 
jour der Stadtbefejtigung (in gleicher Höhe mit dem 
Züdende von Boutogne) zum Angriffspuntt in Aus 
jicht nimmt und zu dem Zwede auf dem Linken 
Ujer der Seine, da, wo Fie den eingehenden Bogen 
bildet, etwa zwiichen Bellevue und Bas Weudon, 
Stellung nehmen muß. Um dies bewirken zu kön 
nen, müjien aber die Forts d’3MY und de Banvres 
in unjerem Beige jein. Treffen unjere Voraus 
jegungen ein, jo wrd cs Jich alfo zunächft um die 
Förmliche Velageruug diejer beiden Forts handeln; 
vielleicht wird man diefelben durch cin abgetürztes 
Berfahren des Ingenieur - Angriis und durch hefz 
jiges Bombardentent zum Falle zu bringen juchen. 
Aerner ij cs auch denkbar, daß man die weitere 
Beichtießung von Paris anorduc, ohne daß man zu 
diejem Behuf die Zeine überfehreitet, was unter 
diejen Umfiänden als ein gavagtes Unternehmen 
jcheinen will; würde man doch dadıurd die Anz 
griftsarbeiten durch den ‚sluß unterbrechen und id 
in die volle Feuerwirhug der Ztadt-Diefejtigungen 
des Forts des Won: Lalcrien begeben; dieyes 
Sort würde jedenjaus einen dauernden, beionderen 
dirtilieriangrip erheischen. Wahrfeheinkich wird der 
Zappenangrin in berchräniter Weije zur Ausfüh 
rung fommen, ter Belagerungs - Artilierie dagegen 
eine große Aufgabe bevorfichen. — Bei dem bei 
uns gewijienhaft beobachteten Kriegsgebrauch fteht 
übrigens zu erwarten, daß unjererieits unmittelbar 
vor dem event, beabjichtigten VYombardement oder 
  
    
   
  
  
  
  
      
  
  
  
    
  
der Eröffnung des förmlichen Angriffs cine Auf 
    
  
/ Forderumg zur Ucbergabe der Feftung jrattfinden 
| wird; ob der General Irochu dazu den Willen 
j aund überhaupt die VWadıt hat, darauf einzugehen, 
| ie bei der in Paris herrichenden Verwirrung allere 
} 
   
dings zweifelhaft. (8. V.-3.) 
  
  
    
i — Ueber den SGeneratjiab der Mruce fchreiht der 
| militairijhe Veridterfiatter der Köln, 3tg 
Kon der Thätigkeit, die in den verfdiedenen 
  
  
Bureaur des Generals u 
Vaie fid) fanm einen 
Molife hHerrjcht, wird ein 
MBegrijt machen Können, Hier 
it die Seele, weile allen unjeren jebt in Frankreich 
vertheilten deutjhen Iruppen ihr Veben einhaucht; 
von hier aus werden dieje 700,000 Wann in ihren 
  
  
  
  
Hauptbewegungen allein geleitet. Hunderte von 
Mapporten — wichtige und gar oft auch fehr une 
wichtige — daufen töglidy hier ein und müfjen 
   
wenigltens gelejen und regiftrirt werden, wenn freis 
lid) viele dann fogleid ohne Weiteres ad acla zu 
liegen Fommen; und Hunderte von Befehlen, alle 
bejfmumt, eract und mit militairijdher Kürze abgefaßt, 
werden von hier aus Tag für Tag expedirt. GE 
ij ein ungeheures Getriebe und Getreibe in diefem 
großen Seneraljtabe des Generals v. Moltke, und 
die Elite aller dentjden SGeneraljtabs-Officiere dariu 
vereinigt, um jogleid jeden Wink, jeden nur mit 
wenigen Auorten ertheilten Befehl ihres Herın umd 
Weitere, des unjterblidhen Yenkers aller Heere Deutjd)- 
lands, weiter auszuarbeiten und an die verjhiedenen 
ü theile zu befördern. E$ befinden fid) in dem 
f un Hauptquartiere Les Nönigs und des Krone 
prinzen von Preußen, die jebt hier Beide vor Paris 
vereinigt find, gar viele änßerlid) oft Jehr vornehme 
erfor die aud nicht den allermindejten Nukzen 
leiten deren ganze Thätigkeit fajt ausfchließlid 
darin befteht, möglidhjt viel und gut zu effen, zu 
trinfen und jpazieren zu reiten, und wieder neben 
ihnen find viele Wänner vorhanden, bei denen jede 
Stunde faj in der angefirengteften und erfolgreichen 
Thätigkeit verbracht wird und von deren Wirken und 
Schaffen das SGejdhit von Zaufenden braver Solz 
daten abhängt. .,Les extremes se touchent,“ Die 
Wahrheit diejes franzöfijgen Sprucdhes habe id nice 
mals ttejer als während Ddiejes Krieges empfunden, 
„Während diefes ganzen Nrieges hat mein Regiment 
nod) Feinen einzigen mmüsen Marfh gemacht, fo 
trejlih ir Alles durchdacht und fo genau geleitet, 
während ih 1866 Kaum jemals einen nügliden Marjd 
gemacht habe,“ fagte mir noch FKirzlid ein Oberft 
eines bayerijden leichten Cavallerie-Negiments. Ih 
glaube, dieje menigen Worte enthalten die befte und 
trejjendijte Nritik des Wirkens des Generals v. Moltke 
und des von ihHın fpeciell geleiteten Oenevaljtabes, 
    
   
   
  
         
  
  
   
   
  
   
  
  
  
   
  
- cliengeime „Wespen“ feiern den vO-* 
burtstug dis Generals v. Woltte mit folgender 
Zivophe: 
Zreun durch fiechzig auge Zahre, 
Zün ling Du im weißen Haarı 
Kühmend preift die Welt Dich fo: 
Schlachten finnend 
Und gewinnend, 
Woriverachtend, thatenfrı 
Yaut wie Ciuerm in Heß 
Und am Tag des Si 
Schufft Zu nach der cia'nen Weile, 
Sb zum © und Dir zum reife, 
Wöcht’gen SGrifie ein Bolt der Rede 
Zn ein Volt der Thaten um, 
  
  
  
  
bh, 
„Fehde 
ges ftumm 
    
  
  
  
     
  
  
Deutfae GrfelFhajit zur Rettung Schiffbrü Higer. 
Bremen, am 27. October 1870. 
Mettungsbericht. 
Bon dem Amtsvogt Abtmeier anf der Jujel Bor- 
fum wird ogendes gemeldet: 
aAın Morgen des 22. d. Mıs. früh 74 Uhr wurde mir 
ige gemacht, daß auf dem Borkumer Riff cin 
2 gefizandet feit. Ich Heß jofort den Schifiern des 
Dorfes die Aufforderung zugehen, ih zum Nertungs{hop 
ven des Weftendes zu begeben und ellte mit meinen 
den gleichfalls dahın. Saas Mettungsboot wurde ohne 
Zeitverluf um S! Uhr zu Wafjer gebracht und von 
tagen Armen nach dem verunglücten 
    

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